Verbindungslos

In meinem Blog-Projekt ist der Wurm drin. Erst hapert es zermürbend lange an der technischen Umsetzung. Dann, als ich entnervt beschließe, trotzdem online zu gehen, legt sich das Internet lahm. Ich meine, lahm war das Internet hier bei uns in dem 800 Seelen-Dorf (Kühe und sieben Hasen mitgezählt) schon immer. Die Telekom zuckte darüber nur arrogant die Achseln. Ihr Augenmerkt liegt auf dem urbanen Klientel. Das wir aber nicht sind. So ganz und gar nicht. Weder prä noch post noch mittendrin. Ich würde uns ja liebend gerne so ein Label geben. Aber die rurale Kommunikationstristesse würde es auch nicht verbessern.

Wir wollten ein schnelleres Internet. Wir wollten nicht länger längst eingeschlafen sein, bis der Download endlich runtergeladen war, der Film endlich weiterlief, sich die anvisierte Seite endlich öffnete. Wir verließen die Telekom. Wir wechselten zu einem Anbieter, über den die Nachbarschaft behauptete, schwörend selbstverständlich, er sei der beste. Und schnellste. Und soweiter. Vermutlich erhält die Nachbarschaft bares Schwarzgeld für Kundenwerbung.

Die Telekom nahm uns pünktlich nach Mitternacht aus ihrer Leitung. Abends, als er von der Arbeit zurück war, versuchte der Ehemann den neuen Rooter zu installieren. Gegen Mitternacht fluchte er. Und ging schlafen. Am nächsten Tag hatten wir weiterhin keinen Zugang ins weltweite Netz. Und telefonieren ging auch nicht. Auch nicht weit entfernt von dem heimischen Nicht-Netz mit dem Handy. Was aber nicht am Netz-Anbieter liegt, auch nicht an Donald Trump. Mein Smartphone ist sprechunfähig, seit einem Jahr. Ich fand das bisher ganz schick. Jetzt nicht mehr.

Abends fluchte der Ehemann noch mindestens dreimal. Aber dann war alles im Rooter-Bereich. Wir waren glücklich. Superschnellestesbestesundsoweiter Internet. Von Mittwoch bis Sonntag. Dann kam der Montag. 15:30 Uhr. Nichts ging mehr. Alles hing fest. Spätabends hatte der Ehemann schließlich einen Mitarbeiter der Service-Hotline am Smartphone. Danach wussten wir, dass ein Bagger bei Bauarbeiten das Glasfaser-Rohr geschrottet hatte, das die superschnellstebesteundsoweiter Verbindung in unsere Anschlüsse geleget hatte. Der Hotline-Service-Mann sagte noch, dass man daran arbeite, er jetzt aber Feierabend mache.

Am nächsten Tag sah man nachmittags eine große Glasfaserkabelrolle im Nachbarort, dort, wo der Bagger mit seinem Trennwerk zugange war. Der Ehemann fragte abends nach, wie und wann denn wieder mit einem Zugang zu rechnen sei. Der Glasfaserbeauftragte sagte, in zwei Stunden. Zeit ist relativ. Am Mittwochvormittag dauerten die zwei Stunden darum auch noch an. Und zwar bis zum Nachmittag, bis 14:05 Uhr.

Jetzt steht die Verbindung wieder. Die Bauarbeiten im Dorf (ich vermute, es werden Abhör-Kabel verlegt), sind allerdings noch nicht abgeschlossen.
Take care of your phone!

Foto: Armin Schönberger

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